Lothar Rilinger berichtet über die Geschichte der international verzweigten Familie

Von Torsten Lippelt

Hemmingen. Mit einem rund einstündigen Vortrag und anschließender Diskussion hat der Hemminger Rechtsanwalt für Arbeitsrecht und Buchautor Lothar Rilinger am Freitagabend den Gästen im Bürgersaal des Rathauses Hemmingen Einblicke in die Familienhistorie der in und um Hannover verwurzelten Adelsfamilie von Alten gegeben. Anlass dazu war für den über seine Frau Svanburga von Alten-Rilinger selbst zur Familie gehörenden, gebürtigen Berliner die sich hier anschließende Mitgliederversammlung des Fördervereins Mausoleum Graf Carl von Alten.

Zurück bis ins 12. Jahrhundert

Rilinger ging in seinem Bericht zurück bis ins 12. Jahrhundert. Erstmals erwähnt wurde ein Arnulf von Alten im Jahre 1149. Es folgte eine Urkunde des Bischofs von Minden aus dem Jahre 1182. Als eine der ältesten Familien in der Region verfügte diese weit verzweigt bereits im Mittelalter über mehrere Generationen vererbten Grundbesitz und Güter, darunter in Großgoltern, Linden und Ricklingen, Hemmingen und Wilkenburg. Der Familiensitz dort musste nach fast 700 Jahren (seit 1215) im Jahr 1904 jedoch aufgegeben werden.

Denn im Verhältnis zu den erwirtschafteten Produkten lebte „die Familie hier auf zu großem Fuß. Da reiste man im Winter wegen des besseren Wetters sogar nach Nizza“, wusste Lothar Rilinger zu berichten. Zweimal wurde ein Familienmitglied in den Grafenstand erhoben: Am 21. Juli 1815 war es der königlich großbritannische und hannoversche General der Infanterie, Carl August von Alten. Für diesen wurde dann auch im Sundern das Mausoleum errichtet, um dessen Ruine sich der Hemminger Förderverein kümmert. Im Januar 1901 war es dann der in den preußischen Grafenstand erhobene preußische Kammerherr und Gutsherr auf Linden, Carl von Alten.

Familie international verzweigt

Rilinger zeigte an drei Familienbeispielen auch die internationale Verquickung der Adelsfamilie im 19. Jahrhundert auf: Dazu gehörte mit Georg von Alten der bis 1871 für den Norddeutschen Bund agierende Generalkonsul in Jerusalem ebenso, wie die als „Double Duchess“ bekannt gewordene oberste Hofdame der englischen Königin Victoria, Luise Auguste Friederike von Alten. Ihre Schwester, Guidobaldine Victorine Gräfin von Alten, heiratete ins stadtrömische und päpstliche Adelsgeschlecht der Colonna ein.

Unter dem zustimmenden Nicken der anwesenden Mausoleumsvereinsmitglieder äußerte Lothar Rilinger anschließend wiederholt seine Verwunderung darüber, dass im Hemminger Stadtgebiet nicht ein einziger Platz und keine Straße nach Graf Carl von Alten benannt ist, dem bei der Schlacht von Waterloo (1815) gegen Napoleon für den Erfolg mit ausschlaggebenden General. „Ich glaube, es gibt nur wenige international bekannte Persönlichkeiten, die aus Hemmingen kommen und nach denen man vielleicht mal eine Straße benennen könnte“, so Lothar Rilinger.

Eine Möglichkeit, den historisch bedeutsamen General mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken zu lassen, sind Überlegungen des Mausoleumsvereins zu einer Erinnerungsveranstaltung am Montag, 20. April – dem 180. Todestag des Grafen Carl von Alten.



Quellenangabe: Hemmingen/Pattensen vom 03.03.2020, Seite 1