Verein lässt Verzierung nach historischen Vorlagen fertigen /
Großteil der Rekonstruktionskosten werden durch Spenden finanziert

 Von Torsten Lippelt

 

Handwerker setzen die aus Obernkirchener Sandstein gefertigte Kreuzblume fachgerecht auf die verbliebene Turmspitze des Mausoleums.Foto: Torsten Lippelt
 

 

Hemmingen. Eine dekorative Kreuzblume schmückt wieder die Spitze des letzten verbliebenen Turmes des Mausoleums Graf Carl von Alten im Naturschutzgebiet Sundern. Die aus Sandstein nach historischem Vorbild gefertige Reproduktion ist am Donnerstag feierlich von Handwerkern des Ronnenberger Bauunternehmens Menert installiert worden.

„Bis Juni ist sie fertig“, hatte Reinhard Schütze noch Ende Februar den Mitgliedern bei der Hauptversammlung des Fördervereins Mausoleum Graf Carl von Alten versprochen. Dass der Zeitplan trotz der in ihrer Auswirkung seinerzeit noch nicht absehbaren Corona-Pandemie gehalten werden konnte, freute den Vorsitzenden.

Kreuzblumen sind ästhetische Abschlüsse von Gebäudeturmspitzen. Versehen mit vielen blumenähnlichen Ornamenten sehen die bildhauerischen Arbeiten von der Seite kreuzförmig aus.

Mit Hilfe eines Kranauslegers wuchteten die Bauhandwerker die beide Sandsteinteile nach den offiziellen Reden am Donnerstag in luftige Höhe und von einem Gerüst aus auf die Spitze des verbliebenen Mausoleumsturms. Die schweren Elemente wurden auf eine Metallspitze gesetzt, die zum besseren Halt installiert worden war. Anschließend wurden sie ausgerichtet, mit Spezialkleber befestigt und gegen schädliche Umwelteinflüsse imprägniert.

„Ich bin froh, was hier wieder hergestellt worden ist“, sagte der Ehrenvorsitzende Heinz Wiegmann am Donnerstag erleichtert. Für die Kreuzblume hatte er vor Jahren einen separaten Spendenfonds eingerichtet: 3000 Euro der Gesamtkosten von 5600 Euro stammen daraus. Wie der Vorsitzende Schütze erklärte, hatte auch die Region Hannover einen „Zuschuss in beträchtlicher Höhe“ gegeben.

Kreuzblume wiegt 90 Kilogramm

Das Material der Kreuzblume stammt aus einem Steinbruch bei Obernkirchen. Gemeinsam mit dem für die künstlerische Ausführung nach historischen Vorlagen beauftragten Ricklinger Steinmetz Lars von Berg war der Vereinsvorsitzende Schütze im Frühjahr dorthin gefahren. Aus dem ausgewählten Sandsteinblock fertigte der Bildhauer dann die rund 90 Kilogramm schwere Kreuzblume mit ihren floralen Ornamenten an wie auch die darauf stehende, separate rund 25 Kilogramm schwere Spitze.

Der 1987 gegründete Mausoleumsverein zählt aktuell rund 30 Mitglieder und bemüht sich um den Erhalt und die teilweise Rekonstruktion des Mausoleums des Grafen Carl von Alten (1764-1840). Als hannoverscher General hatte dieser mit seinen Truppen bei der Schlacht von Waterloo 1815 maßgeblich dazu beigetragen, dass Napoleons Herrschaft über Europa endete.

Die ersten 100 Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte das 1842 fertiggestellte Mausoleum trotz eines nur wenige Hundert Meter entfernt abgestürzten britischen Bombers unbeschadet überstanden. In der Nachkriegszeit jedoch bis in die 1980er-Jahre hinein erfuhr es zunehmend Vandalismus und Plünderungen, bis es fast vollständig verfallen war. Die Gebeine des Grafen Carl von Alten waren schon 1958 in die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover überführt worden.

„Zu spät gegründet“

„Ich habe den Förderverein zehn Jahre zu spät gegründet“, stellte Wiegmann bei seiner Rede zur Kreuzblumen-Aufsetzung fest. Der Verfall war seinerzeit schon weit fortgeschritten. Seit nunmehr mehr als drei Jahrzehnten setzt sich Wiegmann – erst als Vereinschef, inzwischen als Ehrenvorsitzender – mit zahlreichen Mitstreitern für den Erhalt und die teilweise Restaurierung des Mausoleums ein.

Der Vorsitzende Schütze dankte allen Spendern und Stiftern für deren unermüdliches Engagement. Für die Museumsarbeit und den Erhalt des Mausoleums seien in der Vergangenheit 130 000 Euro gesammelt worden.

Quellenangabe: Leine-Nachrichten - Hemmingen/Pattensen vom 29.06.2020, Seite 1